Faktenchecks zu Windkraftanlagen
Die in Waibstadt und Daisbach verteilten Flyer aus unbekannter Quelle zu Windkraftanlagen enthalten verschiedene Aussagen, die einer sachlichen und kritischen Überprüfung bedürfen. Um Ihnen eine fundierte Meinungsbildung zu ermöglichen, werden die darin aufgestellten Behauptungen im Folgenden anhand wissenschaftlicher Studien, verlässlicher Quellen und aktueller Erkenntnisse überprüft und gegebenenfalls widerlegt. Unser Ziel ist es, mögliche Fehlinformationen aufzudecken, Zusammenhänge verständlich darzustellen und eine differenzierte, faktenbasierte Auseinandersetzung mit der Windenergie zu fördern.
Faktenchek 1 - Abrieb von Rotorblättern
Abrieb an Rotorblättern: Gelangt dadurch Mikroplastik in die Umwelt?
Windenergie gilt als grüne Zukunftstechnologie - doch nicht alle sehen das so. Im Netz kursieren alarmierende Zahlen zum angeblichen Mikroplastik-Abrieb. Was steckt hinter der Kritik? …
Bewertung
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Abrieb von Windkraftanlagen um ein Vielfaches geringer ist. Über die gesamte Lebensdauer einer Anlage entsteht ein Bruchteil einer Tonne Mikroplastik.
Fakten
An Windkraftanlagen kann es zu Erosionen an den Rotorblättern [Aktualisierter Faktencheck des BWE, 2026] kommen, vor allem an deren Vorderkanten. Diese Flächen sind Regen, Hagel und Schnee ausgesetzt. Bei Geschwindigkeiten an den Rotorspitzen von bis zu 360 Kilometern pro Stunde wirken Tropfen wie kleine Schmirgelpartikel.
Dadurch wird Material abgetragen - es entsteht sogenannter Mikroplastik-Abrieb. Auch wenn diese Partikelemissionen nur sehr gering sind, können sie langfristig die Effizienz der Anlagen beeinträchtigen.
Studien zur Erosion
Eine Studie der Technischen Universität Dänemark aus dem Jahr 2024 geht von einem durchschnittlichen jährlichen Materialverlust von 30 bis 540 Gramm pro Rotorblatt aus.
Onshore-Anlagen: 8-50 g pro Blatt und JahrOffshore-Anlagen: 80-1000 g pro Blatt und Jahr
Bei den höchsten Werten ergibt das über eine Laufzeit von 30 Jahren rund 90 kg Abrieb pro Windrad - umgerechnet 0,09 Tonnen.
Eine niederländische Studie schätzt die Emissionen moderner Offshore-Anlagen auf etwa 240 g Mikroplastik pro Anlage und Jahr. Das entspricht 7,2 kg (0,0072 Tonnen) über 30 Jahre, pro Blatt entsprechend weniger.
Auch der Bundesverband Windenergie (BWE) nimmt zu diesem Thema Stellung. In einem Positionspapier vom August 2024 [Aktualisierte Version 2026] gibt er einen jährlichen Materialverlust von etwa 2,74 kg pro Windenergieanlage an - ein Mittelwert aus den Schätzungen der beiden Unternehmen Key Wind Energy (3,38 kg) und Deutsche Windtechnik (2,1 kg). Dieser Mittelwert ergibt bei einer Laufzeit von 30 Jahren gut 82,2 kg (0,082 Tonnen).
Eine norwegische Untersuchung aus dem Jahr 2021 nannte bis zu 62,5 kg pro Jahr, wurde aber stark kritisiert: Sie verwendete falsche Materialien und war nicht peer-reviewed. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) veröffentlichte bereits einen Faktencheck darüber.
Auszug aus dpa factchecking (2025): Übertriebene Zahlen zum Mikroplastikabrieb bei Windrädern
Laut Bundesverband Windenergie helfen folgende Schutzmaßnahmen gegen die Erosion der Rotorblätter:
Rotorblätter befinden sich fast ständig in Bewegung. Diese Bewegung führt zu starken Spannungen im Material. Darüber hinaus wird die Oberfläche der Blätter von Erosion und wechselnden Umweltbedingungen angegriffen. Um ihre uneingeschränkte Funktion zu gewährleisten, sind daher regelmäßige, fachgerechte Inspektionen und Instandhaltungsarbeiten notwendig. Dabei können verschiedene Maßnahmen zum Einsatz kommen. Schutzlacke (sogenannte Top-Coats) können auch nachträglich auf die Blätter aufgetragen werden, um eventuell bereits entstandene Oberflächenschäden erneut zu versiegeln. Ebenso können von Erosion betroffene Vorderkanten reprofiliert und mit Schutzfolien oder -lacken versiegelt werden. Besonders schwer beschädigte Blätter können auch vollständig ausgetauscht werden. Windenergieanlagen werden regelmäßig sorgfältigen Prüfungen (WKP) unterzogen. Da Erosionsschäden zu einem hohen jährlichen Ertragsverlust führen würden, liegt es im ureigenen Interesse der betreibenden Unternehmen, diese Schäden an den Blättern möglichst frühzeitig und sorgfältig auszubessern. Bei sachgemäßer und sorgfältiger Wartung können die Anlagen auch über ihre reguläre Entwurfslebensdauer hinaus noch gut weiterbetrieben werden und saubere Energie produzieren.
Auszug aus Bundesverband Windenergie (2026): Faktencheck: Erosion an Rotorblättern, S. 4